Annie Lulus Projekt als Artist in Residence am Käte Hamburger Kolleg CURE versteht sich als kritischer Beitrag zu zeitgenössischen Konzepten der Reparation. Ausgangspunkt ist eine literarische Praxis, die geisteswissenschaftliche Diskurse über Recht, Geschichte, Philosophie, Postkolonialismus und Umweltwissenschaften reflektiert. Den Schwerpunkt bildet die Thanatologie: Das Projekt widmet sich wesentlich Erzählungen von Tod und Trauer, insbesondere in der französischsprachigen Moderne. Anhand von Werken wie Aimé Césaires Cahier d’un retour au pays natal (1939) und Benjamin Fondanes Le mal des fantômes (1933–1944), wird die zentrale Rolle der Trauer in Konzepten der Reparation deutlich. Lulus Projekt bewegt sich an der Schnittstelle von literarischem Schreiben und Essay – ein hybrides Genre, das sie selbst als „Essay in poetischer Prosa“ beschreibt, und das Reparation aus der Perspektive der Trauer beleuchtet.
ANNIE LULU
CURRICULUM VITAE
Annie Lulu ist eine kongolesisch-rumänische Schriftstellerin, Kriminologin und Philosophin. Nach dem Zusammenbruch der Diktatur Ceaușescus in Rumänien wuchs sie in Frankreich auf. Später studierte sie Kriminologie und Philosophie in Paris. Ihr Debüt als Schriftstellerin, der Roman La Mer Noire dans les Grands Lacs (2021), der die gewaltvolle Vergangenheit dreier Länder – der demokratischen Republik Kongo, Frankreichs und Rumänien – in der Lebensgeschichte einer werdenden jungen Mutter kristallisiert, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Prix Senghor. Ihr zweiter Roman, Peine des Faunes (2022) erzählt über fünf Generationen eine Familiengeschichte zwischen Tansania und Schottland und greift öko-feministische Perspektiven auf. 2023 wurde Annie Lulu für ihr zweites Buch der Prix du roman d’écologie verliehen.
