Das Forschungsprojekt konzentriert sich auf den Begriff der „körperlichen Reparation“ und fragt: Kann Reparation in Form einer körperlichen Transmutation gefordert werden, insbesondere wenn die Verletzung des Körpers so schwerwiegend ist, dass sie nur innerhalb des Körpers selbst verarbeitet werden kann? Was ist das beste Medium, um Reparation zu fordern? Lässt sich dies am besten verbal artikulieren, etwa durch eine Radiosendung, oder kann der Körper selbst durch Gesten eine Forderung nach Reparation zum Ausdruck bringen, etwa in Form von Performancekunst oder Tanz? In den Jahren 1947–1948 bereitete der renommierte Theoretiker und Künstler Antonin Artaud in Paris eine Radiosendung vor, die für ein geschätztes Publikum von einer Million Menschen bestimmt war und in der er Reparationen für die körperlichen Versehrungen forderte, die er während seiner Internierungen in psychiatrischen Kliniken in Frankreich von 1937 bis 1946 erlitten hatte. Er stellte sich Reparationen vor, die im Körper selbst verinnerlicht würden und die seiner Erwartung nach einen „Körper ohne Organe“ hervorbringen würden. Die Radiosendung wurde zensiert und nicht ausgestrahlt, ist aber erhalten geblieben. Das Projekt soll einen neuen theoretischen Ansatz zum Thema Reparation entwickeln und untersuchen, was genau es bedeutet, körperliche Reparation zu fordern.
PROF. DR. STEPHEN BARBER
CURRICULUM VITAE
Stephen Barber ist Professor für Kunst- und Filmgeschichte an der School of Art sowie Direktor des Visual Cultures Research Centre an der Kingston University in London. Darüber hinaus hatte er Forschungsstellen am California Institute of the Arts in Los Angeles, an der Keio-Universität in Tokio, an der Freien Universität Berlin sowie an weiteren Kunsthochschulen und Universitäten inne. Seine Forschung wurde von einer Vielzahl internationaler Stiftungen gefördert, darunter die Rockefeller Foundation, die Japan Foundation, der DAAD und die British Academy. Er ist Romanautor und Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Monografien, die in viele Sprachen übersetzt wurden.