KÄTE HAMBURGER KONZERT MIT NAOKO CHRIST-KATO UND BAKR KHLEIFI
WANN
WO
Johanneskirche
Cecilienstraße 2
66111 Saarbrücken
PROGRAMM
Das Käte Hamburger Kolleg für kulturelle Praktiken der Reparation CURE veranstaltet am Mittwoch, dem 29. April um 19 Uhr unter dem Motto „Abgebrochene Traditionen hörbar machen“ einen Konzertabend in der Johanneskirche.
Im ersten Teil spielt die renommierte japanische Pianistin Naoko Christ-Kato Klavierwerke von Rosy Wertheim (1888-1949), eine von den Nationalsozialisten verfolgte jüdische Komponistin aus den Niederlanden. Die auch in Frankreich, Österreich und den USA tätige Komponistin, Pianistin und Musikpädagogin Rosy Wertheim kehrte 1937 in die Niederlande zurück, wo sie sich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten engagierte, sich mehrere Jahre lang versteckt hielt und geheime Konzerte verbotener jüdischer Komponisten organisierte. Während zahlreiche ihrer Familienmitglieder deportiert und ermordet wurden, überlebte sie den Zweiten Weltkrieg. Allerdings konnte sie nach Kriegsende als Komponistin nie wieder richtig Fuß fassen, so dass ihr Werk heute kaum bekannt ist.
Naoko Christ-Kato, die in Tokio, Hannover und Leipzig Klavier studierte, ist Preisträgerin des Young Artist Piano Contests und des Best Players Contests in Japan sowie Stipendiatin des Deutschen Musikrats und der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen. Sie engagiert sich seit vielen Jahren für die Entdeckung und Aufführung von Werken vergessener und verfolgter jüdischer Komponistinnen und Komponisten, u.a. als Pianistin des Gernsheim Duos mit der Sopranistin Anna Gann. 2025 hat sie eine CD mit Weltersteinspielungen von Rosy Wertheim veröffentlicht.

Der zweite Teil des Konzertabends wird von dem in Jerusalem geborenen Musiker und Komponisten Bakr Khleifi bestritten. Bakr Khleifi ist ein palästinensischer Oud Spieler, dessen Arbeit sich zwischen traditioneller Maqam Praxis und zeitgenössischer Komposition bewegt. Seine Musik schöpft aus der Tiefe und Wandelbarkeit des arabischen musikalischen Erbes und schafft einen Dialog zwischen der Oud und orchestralen oder kammermusikalischen Klangwelten.
Bakr Khleifi studierte Kontrabass an der Buchmann-Mehta School of Music in Tel Aviv und Oud an der Universität Göteborg, wo er einen Abschluss in World Music erhielt. Mehrere Jahre lang spielte er im von Edward Said und Daniel Barenboim gegründeten West-Eastern Divan Orchestra, das aus arabischen und israelischen Musikern besteht und sich weltweit für Frieden im Nahen Osten einsetzt. Vor über zehn Jahren verließ er das Ensemble, um seinen eigenen künstlerischen Weg weiterzuentwickeln. Zu seinen aktuellen Projekten gehören Kooperationen mit Orchestern und Ensembles, in denen er die Maqam Komposition in heutigen Kontexten erforscht. Zudem verfügt er über ein wachsendes Repertoire an Solowerken für die Oud. Seine Musik versteht sich als Erneuerung der arabischen Tradition von innen heraus – verwurzelt, eigenständig und offen für den Dialog mit der weiteren musikalischen Welt.

Am 29. April spielt Khleifi eigene Kompositionen und Improvisationen für die Oud, die als Vorläufer der europäischen Laute gilt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Instrument auch in den USA und in Europa etwas populärer – allerdings kennen es bis heute selbst Profimusiker oft nicht. Mit seinen Stücken stellt sich Bakr Khleifi in die lange, in der westlichen Welt bislang nur wenig anerkannte arabische Musiktradition, die er an diesem Konzertabend mit europäischen Musikstilen verbindet.
Den Übergang zwischen beiden Teilen des Konzerts bilden von Bakr Khleifi präsentierte Musikstücke jüdischer Komponisten aus dem Nahen Osten, die dort als große Klassiker bekannt sind, hierzulande aber so gut wie nie gespielt werden.
Die freien Spenden dieses Abends kommen dem Kulturzentrum LOSA – Maison des Arts in Kinshasa zugute. Der 2020 von der Künstlerin Géraldine Tobe gegründete Verein Loboko ya Sansa („die Hand, die heilt“) eröffnete im Oktober 2025 das Maison des Arts als Ort für zeitgenössische Kunst, kulturelle Vermittlung und kunsttherapeutische Arbeit. LOSA fördert insbesondere junge lokale Künstler:innen sowie Menschen in Kliniken und betreuten Einrichtungen und setzt sich für einen breiten Zugang zu künstlerischer Praxis, für die Stärkung der psychischen Gesundheit und für die Weitergabe des afrikanischen kulturellen Erbes ein.
