Christiane Solte-Gresser: Raconter l’irréparable ou les rêves de la Shoah.
Übers. Slaven Waelti. Hermann, 2026.

Welches Wissen über die Shoah bergen Träume? Dieser Frage geht CURE-Direktorin Christiane Solte-Gresser in Raconter l’irréparable nach. Das Buch ist eine überarbeitete und übersetzte Fassung ihrer 2021 erschienenen Monografie Shoah-Träume: Vergleichende Studien zum Traum als Erzählverfahren, die aus ihrer langjährigen Forschung zum Thema entstanden ist.

Die umfangreiche Studie analysiert die in Shoah-Texten allgegenwärtigen Träume. Einen Traum zu erzählen bedeutet immer, zu versuchen, das in Worte zu fassen, was über die Sprache hinausgeht – der Versuch, die Erfahrungen der Shoah auszusprechen, liefert dafür wohl das erschütterndste Beispiel.

Christiane Solte-Gresser setzt unterschiedliche Textsorten zueinander in Beziehung – von dokumentarischen Texten (Beradt, Szittya, Cayrol) und autobiografischen Zeugnissen (Antelme, Levi, Delbo, Wiesel, Semprun), bis zu Darstellungen im Theater und Hörspiel (Fritsch, Eich) und im Roman (Bachmann, Langfus, Foer). In den Traumberichten werden eigene, besondere Sprachen und Erzählverfahren gefunden, mittels derer Erfahrungen artikuliert werden, die auf anderem Wege kaum zugänglich oder vermittelbar sind. Die verschiedenen literarischen Träume der Shoah zeugen von gemeinsamen Traumerfahrungen: Die Träumenden träumen von der Flucht und ihrem Scheitern, dem Versagen der Sprache nach ihrer Rückkehr, von ihrem traumatischen und zweifelhaften Überleben und von den Anderen, die von ihrer Erfahrung nie berichten werden. In den vielen Texten, die dieser Studie zugrunde liegen, wird über den Traum so ein Weg eröffnet, dem Irreparablen der Shoah zu begegnen.

-> Zur Verlagsseite