Am 25. und 26. Juni 2026 fand die zweite Jahrestagung des Käte Hamburger Kollegs CURE an der Universität des Saarlandes statt. Unter dem Titel „Reparative Futures: Utopian Thinking in Times of Crisis“ diskutierten und präsentierten Juliane Rebentisch (HFBK Hamburg), Yves Citton (Université Paris 8), Julien Pieron (CURE), Sophie Wahnich (CNRS), Tijana Vujošević (University of British Columbia), Troy Vettese (University of California, Berkeley), Yi-Ting Wang (CURE), Hendrik Rungelrath (Universität des Saarlandes), Mauro Bertola (CURE) und Jennifer Allen (Yale University) ihre Reflexionen zu Formen utopischen Denkens in der Gegenwart.
Ziel der Tagung war es, im überwältigenden Strom gegenwärtiger dystopischer Szenarien Möglichkeiten für positive Zukunftsperspektiven zu erkunden. Die Grundfrage der Tagung war, wie nach der Kritik am modernen Fortschrittsbegriff, im Zuge dessen die klassischen Utopien möglich geworden waren, und nach den Enttäuschungen über gescheiterte Versuche, politisch utopische Projekte ins Werk zu setzen, Zukunft im Modus utopischen Denkens gedacht werden könnte. Ohne eine richtige Definition anzustreben, war mit „utopischem Denken“ in etwa eine Haltung zur Zukunft gemeint, die die Verbesserung des Systems politischer, sozialer und gesellschaftlicher Zustände für möglich hält.
Die überwiegend geteilte Perspektive deutete jedoch in den Diskussionen der Tagung eher darauf hin, dass holistische positive Zukunftsentwürfe, die in der Tradition utopischen Denkens (Thomas Morus, Francis Bacon) stehen, heutzutage schwer greifbar sind. Stattdessen dominierten auf der Tagung Formen mikropolitischen Handelns (Yves Citton, Julien Pieron, Yi-Ting Wang, Jennifer Allen), Traditionen der Modernekritik (die Veranstalter, Sophie Wahnich) oder reflexive Positionen zu existierenden Zukunftsperspektiven (Tijana Vujošević, Hendrik Rungelrath, Mauro Bertola, Troy Vettese).
Die sehr lebhaften Diskussionen der Tagung lassen den Eindruck zurück, dass nach wie vor ein unerfülltes Bedürfnis nach positiven Großerzählungen für die Zukunft besteht. Die weiteren Debatten werden zeigen, ob und wie jenseits der Kritik an bestehenden Strukturen Keime übergreifender und hoffnungsvoller gesellschaftlicher Großerzählungen aufgehen können.
