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Kulturelle Kooperation als reparative Praxis: Körper, Coping und Kunst in Gefangenschaft des Ersten Weltkriegs

Der Zusammenhang von Kooperation, Coping-Optionen, Körperlichkeit und Kreativität in Theater, Kabarett und Varieté in Lagern des Erstens Weltkriegs steht im Zentrum dieses Projekts, dessen Ziel ist, zur systematischen Erkenntnis des reparativen Vermögens von kollektiv organisierter kultureller Praxis beizutragen, wie sie verschiedene Projektformen für deutsche, österreichische, französische und in die französische Armee integrierte nordafrikanische Gefangene bzw. Internierte boten. Dabei werden ästhetische Dimensionen einbezogen: Erfindung, Improvisation, Sinnlichkeit, Stimme, Körper. Untersucht werden die Prozesse vom Vorhaben über die Darbietung bis zur Kritik. These ist, dass das Zusammenspiel von Gemeinschaftlichkeit und Kreativität den ausschlaggebenden Faktor für einen konstruktiven Umgang mit den Belastungen der Betroffenen bilden konnte: Die Aktivitäten fanden vor dem Hintergrund einer Kriegsgewalt unvorstellbaren Ausmaßes statt, die viele am eigenen Leib erfahren hatten. Es veränderte sich das Verhältnis zu Verletzung und Verletzlichkeit, Krankheit und Tod. Während die zeitgenössische Medizin destabilisierten Personen meist Schwäche vorwarf und mit ihren psychischen Leiden kaum umgehen konnte, ermöglichte die kulturelle Kooperation einen Zugewinn an Selbstbewusstsein und schöpferischem Potenzial. Inwiefern die kollektive Kulturpraxis neben Solidarität Normierung und Ausgrenzung förderte, etwa koloniale und andere gruppenbezogene Diskriminierung, ist Teil der Fragestellung.

PROF. DR. ISABELLA VON TRESKOW
CURRICULUM VITAE

Isabella von Treskow ist seit 2009 Professorin für Französische und Italienische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg. 2017 war sie Visiting Professor an der Université Clermont Auvergne und 2022 an der Université de Toulouse II, außerdem von 2024 bis 2026 Visiting Fellow am King’s College London. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf der Verbindung von kulturellem Handeln und politischer Gewalt. Im Zentrum stehen Aktivitäten in Gefangenschaft, mit Bezug zu Widerstand und zur Judenverfolgung in Europa und Nordafrika sowie kulturgeschichtliche Überlegungen zu Traumatisierung. Ein zweites Gebiet ist Wissens- und Intellektuellengeschichte seit dem 17. Jahrhundert. Ihr Projekt zum KZ Flossenbürg Französische Stimmen zu Gehör gebracht / Faire écouter des voix françaises wurde mehrfach ausgezeichnet.