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Verkörpertes Trauma jenseits des Menschlichen: Das reparative Potenzial von Holocaust-Literatur

Im späten 20. Jahrhundert entwickelte sich die Traumatheorie zu einem dominanten Paradigma in den Geisteswissenschaften, geprägt durch die Anerkennung der posttraumatischen Belastungsstörung und die Verfestigung der Erinnerung an den Holocaust. Dank der einflussreichen Theoriebildung von Cathy Caruth wurde Trauma als eine verspätete, sich wiederholende und verkörperte Erfahrung verstanden, die sich einer konventionellen narrativen Darstellung entzieht. Jüngste Beiträge haben den Eurozentrismus und Anthropozentrismus dieses Paradigmas in Frage gestellt und fordern Ansätze, die den komplexen Formen des Leidens über Kulturen und Spezies hinweg Rechnung tragen. Als Reaktion auf diese Debatten untersucht dieses transdisziplinäre Projekt Darstellungen speziesübergreifender traumatischer Verbundenheit in der Holocaust-Literatur verschiedener Sprachen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie literarische Texte das Trauma als ein Phänomen darstellen, das menschliche und nicht-menschliche Körper sowie natürliche Lebensräume durchzieht. Anstatt den nationalsozialistischen Massenmord an den Jüdinnen und Juden als Metapher für zeitgenössische Krisen zu instrumentalisieren, analysiert das Projekt, wie Erzählungen formal und thematisch gemeinsame körperliche Verletzlichkeit, Verletzungen und verzögerte Symptomatik während und nach dem Völkermord artikulieren. Unter der Zugrundelegung von Traumatheorie, Öko- und Zookritik sowie Öko- und Zoonarratologie untersucht die Studie das reparative Potenzial solcher Darstellungen und argumentiert, dass das Holocaust-Trauma zwar irreparabel bleibt, literarische Darstellungen verkörperten, speziesübergreifenden Leidens jedoch ethische Anerkennung, relationale Verantwortung und imaginative Reparation als Antwort auf anhaltende Schäden an Mensch und Umwelt fördern können.

PROF. DR. HELENA DUFFY
CURRICULUM VITAE

Helena Duffy (MSt Oxon, PhD Oxford Brookes) ist Dozentin für Französisch und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Breslau in Polen. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf kulturellen Darstellungen des Holocaust, die sie zuletzt aus ökokritischer und zookritischer Perspektive untersucht hat. Sie ist Autorin zweier Monografien – World War II in Andreï Makine’s Historiographic Metafiction (Brill, 2018) und The Holocaust in French Postmodern Fiction (Legenda, 2022) – sowie Mitherausgeberin von Trauma, Ethics, Hermeneutics (Legenda, 2024), Storying the Ecocatastrophe (Routledge, 2024) und The Holocaust and Ecocide in Culture and Public Debate (Routledge, erscheint 2026). Sie hat sechs Sonderausgaben wissenschaftlicher Journals herausgegeben oder mitherausgegeben (z. B. French Forum, Holocaust Studies, Journal of Holocaust Research) und über fünfzig Zeitschriftenartikel und Buchkapitel veröffentlicht. Seit 2024 ist sie Mitglied der Academia Europaea.

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