Sabine Andresen war von 2016 bis 2021 Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Auch in ihrer Forschung und als Präsidentin des Kinderschutzbundes befasst sie sich mit Fragen, die mit Gewalt an Kindern und Jugendlichen zusammenhängen. In dieser Folge wird thematisiert, wie eine staatliche Stelle arbeitet, wenn sie sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen aufarbeitet, was Aufarbeitung hier heißen kann, was ihre Möglichkeiten und Grenzen sind. Zudem sprechen Laurens Schlicht und Sabine Andresen darüber, wie sie sich die Zukunft von Aufarbeitung vorstellt und welches Verhältnis zwischen Betroffenen und der Aufarbeitungskommission bestand oder bestehen könnte.
- Das Kolleg
THE REPARATION PODCAST
Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen aufarbeiten
THEMENSCHWERPUNKT
Seit dem ersten Juli 2025 ist in Deutschland ein neues Gesetz in Kraft, das „Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen“. Es soll die Bemühungen um Aufarbeitung verstetigen, die besonders seit 2010 in Deutschland um das Thema sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen hochkochten. Das mediale Echo auf den Skandal zu sexualisierter Gewalt im Berliner Canisius-Kolleg löste in jenem Jahr eine lebhafte Debatte aus. Politik, Kirchen und Verbände reagierten mit der Gründung von Aufarbeitungskommissionen und verschiedenen anderen Institutionen und Stellen, die sich mit der Frage befassen, wie man mit diesen bis dahin zu wenig öffentlich diskutierten Unrechtstaten umgehen konnte.
Der Themenblock befasst sich mit der Frage, was Aufarbeitung in diesem Kontext leisten kann, wo ihre Grenzen sind und was unterschiedliche Perspektiven auf diese Frage sein können. Laurens Schlicht war im Gespräch mit:
Folge 2: Harald Wiester (Berlin), als Betroffenem von sexualisierter Gewalt und als Person, die in Aufarbeitungskommissionen aktiv war,
Folge 3: Lena Haase und Lutz Raphael (Trier), die als Historiker:innen ein wissenschaftliches Aufarbeitungsprojekt für das Bistum Trier leiten,
Folge 4: Peter Caspari (München), der als Psychologe die wissenschaftliche Leitung eines Instituts (Institut für Praxisforschung und Projektberatung, München) innehat, das Aufarbeitungsstudien durchführt,
Folge 5: Sabine Andresen (Frankfurt), die von 2016 bis 2019 Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs war.
Alle Folgen
Peter Caspari arbeitet für das Institut für Praxisforschung und Projektberatung in München. Dort ist er derzeit der wissenschaftliche Leiter und befasst sich seit 2011 schwerpunktmäßig mit Aufarbeitungsstudien im Fall von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Mit seinen Teams interviewt er Betroffene sexualisierter Gewalt, durchforstet Archive und wertet bestehende Forschung aus. Peter Caspari zählt zu einer Gruppe von Forschenden, die derzeit darüber diskutieren, wie der Beitrag der Wissenschaften zur Aufarbeitung aussehen kann.
Lena Haase und Lutz Raphael sind Historiker:innen, die sich derzeit mit einer Aufarbeitungsstudie im Bistum Trier befassen, die Teil der dortigen Unabhängigen Aufarbeitungskommission ist. Lena und Lutz haben für ihre Aufarbeitungsstudien mit vielen Personen gesprochen, aber vor allem auch zahlreiche Akten studiert. Sie sind in der seltenen Position, einen unbeschränkten Zugang zu allen Akten des Bistums Trier zu haben, die sexualisierte Gewalt betreffen. Was kann mit solchen Daten gemacht werden, wie findet man sie und wie kann man sie untersuchen? Darüber spricht Laurens mit Lena und Lutz und auch darüber, was Aufarbeitung sexualisierter Gewalt aus Sicht von Historiker:innen, aber auch gesamtgesellschaftlich bedeuten kann, wie Historiker:innen vorgehen, wenn sie aufarbeiten und welche Zukunft die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im nationalen und internationalen Rahmen haben sollte.
Mit Harald Wiester spreche ich über seine Erfahrungen in der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und über die Frage, was Aufarbeitung und Aufarbeitungskommissionen leisten und was sie vielleicht auch nicht leisten können.
Im November 2025 hat sich Hannah Steurer von CURE die Zeit genommen, mit Laurens Schlicht über seine Erfahrungen in den vier Gesprächen im Themenblock zu unterhalten. Wir sprechen über die Fragen, die während dieser Gespräche aufgeworfen wurden und über die unterschiedlichen Perspektiven, die Beteiligte an verschiedenen Aufarbeitungsprozessen im Fall von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche haben.