Buchvorstellung von Max Aub: Ich will keinen Trost von niemandem

WANN

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Sparte 4
Eisenbahnstraße 22
66117 Saarbrücken

SPRACHE

DEUTSCH

PROGRAMM

Was tun wenn eine Diktatur gewaltsam die Demokratie abschafft? Diese Frage stellte sich auch der spanische Schriftsteller Max Aub (1903-1972), als er – geflohen aus Spanien, wo der Diktator Francisco Franco die Macht an sich gerissen hatte – im Pariser Exil einen Theatermonolog über den sogenannten Anschluss Österreichs im Jahr 1938 schrieb. Dieses Stück, Ich will keinen Trost von niemandem, liegt nun erstmals in deutscher Übersetzung vor. Bei der Buchvorstellung präsentieren Albrecht Buschmann (Herausgeber) und Stefanie Gerhold (Übersetzerin und Herausgeberin) das Stück mit seinen historischen Kontexten, und sie diskutieren mit Ulf Schmidt (Chefdramaturg SST) seine Bedeutung für die heutige Zeit. Um einen Eindruck von der poetischen Kraft des Textes zu vermitteln, liest die Schauspielerin Martine Struppek Auszüge aus dem Monolog.

Gespräch: Albrecht Buschmann (Herausgeber), Stefanie Gerhold (Übersetzerin), Ulf Schmidt (Chefdramaturg Saarländische Staatstheater); Lesung: Martina Struppek 

Zum Theaterstück

Wien 1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs. Die Jüdin Emma lebt nach der Enteignung ihrer Wohnung nur noch geduldet in der Dachkammer ihres Hauses und schlägt sich als Putzfrau eines Theaters durch. Als Zeitzeugin wider Willen beobachtet sie die Verrohung, zu der ehemals freundliche Nachbarn und Mitmenschen plötzlich fähig sind. Und allmählich verwandelt sich die Trauer um ihren in Dachau ermordeten Mann Arnolf und den ungeklärten Tod ihres in Spanien umgekommenen Sohnes Samuel in kalte Wut, mit der sie, zuvor völlig unpolitisch, nun widerstehen will.

Max Aub – Sohn deutsch-französischer Eltern, in Paris geborener, in Spanien aufgewachsener jüdischer Schriftsteller und Dramatiker – schrieb diesen Monolog 1939 auf der Flucht in Paris auf Spanisch und rettete ihn durch Kriegs- und Lagerjahre ins mexikanische Exil. Der zugleich berührende und hellsichtig vorausschauende Text schildert, wie rasch durch Hass und andauernde Hetze würdiges Leben unmöglich wird.

Zum Autor 
Max Aub Mohrenwitz wurde am 2. Juni 1903 in Paris geboren, als erstes von zwei Kindern des deutschen Kaufmanns Friedrich Aub und der Französin Susanne Mohrenwitz; die jüdische Herkunft der Eltern spielte im Familienalltag keine Rolle. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste die Familie Frankreich verlassen und übersiedelte nach Spanien. Seitdem war Valencia, wo Aub 1920 das Abitur ablegte, seine Wahlheimat. Zunächst reiste er als Handelsvertreter durch Spanien, begann zu schreiben und suchte den Kontakt zu literarischen Zirkeln in Barcelona und Madrid. 1924 nahm Aub die spanische Staatsbürgerschaft an, in dieser Zeit erschienen auch seine ersten Bücher. Mit der Ausrufung der Spanischen Republik (1931) trat er als Dramatiker und Theaterleiter hervor, zu Beginn des Bürgerkriegs ging er 1936 als Kulturattaché nach Paris, wo er Pablo Picasso mit dem Gemälde Guernica beauftragte, erstmals ausgestellt im Pavillon der Spanischen Republik der Pariser Weltausstellung 1937. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er mehrmals in französischen Konzentrationslagern interniert, auch in Nordafrika, bis ihm 1942 Flucht und Überfahrt nach Mexiko gelangen; erst 1946 konnten Aubs Frau und die drei Töchter aus Spanien ausreisen und ihm nach Mexiko folgen. Im Exil arbeitete er in zahlreichen Brotberufen bei Zeitungen, Filmstudios sowie an der mexikanischen Nationaluniversität UNAM. 1955 nahm er sie mexikanische Staatsbürgerschaft an, es folgten zahlreiche Reisen in die USA, nach Europa und Israel, wo er 1966/67 in Jerusalem an der Hebrew University das Institut für lateinamerikanische Literatur mit aufbaute. Erst 1969 durfte er wieder spanischen Boden betreten. 

Die mehrfache Fluchterfahrung sowie die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts bestimmten Aubs Leben und sein literarisches Werk. Während die frühen Einakter noch in den klassischen Avantgarden fußen, entwickelte er sich später zum realistischen Erzähler, mit dem Spanischen Bürgerkrieg als zentralem Thema; ihm widmete er den sechsteiligen Romanzyklus Das magisches Labyrinth. Sein Werk umfasst Gedichte, Essays, experimentelle Texte sowie zahlreiche Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Max Aub starb am 22. Juli 1972 in Mexiko-Stadt. 

Die Herausgeber 
Albrecht Buschmann (*1964) ist Professor für spanische und französische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität Rostock und derzeit Fellow am Käte Hamburger Kolleg CURE. Zusammen mit Stefanie Gerhold übersetzte er Max Aubs Romanzyklus Das Magische Labyrinth (Übersetzerpreis der Spanischen Botschaft 2003). Seine Forschung widmet sich der Kulturgeschichte des Literaturübersetzens, der literarischen Darstellbarkeit von Gewalterfahrung und der Literatur des republikanischen Exils. Er lebt in Berlin. 

Die Übersetzerin 
Stefanie Gerhold (*1967)  ist Autorin und Übersetzerin. Sie hat zahlreiche Prosa- und Bühnenwerke aus dem Spanischen  ins Deutsche übertragen. Für die Übersetzung von Max Aubs Romanzyklus Das Magische Labyrinth  erhielt sie zusammen mit Albrecht Buschmann 2003 den Übersetzerpreis  der  Spanischen  Botschaft. 2023 wurde ihre Übertragung des  Stücks Himmelweg von Juan Mayorga mit dem Eurodram-Preis ausgezeichnet. Ihr Werk als Autorin umfasst Essays zum  literarischen Übersetzen, das Hörspiel  Come Back (DRadioKultur 2013) und den Roman Das Lächeln der Königin  (Galiani 2024). 2025 erhielt sie das Adalbert-Stifter-Stipendium. Sie lebt in Berlin. 

Eine Kooperation des Käte Hamburger Kollegs für kulturelle Praktiken der Reparation CURE mit dem Saarländischen Staatstheater, mitveranstaltet von der Stiftung Demokratie Saarland, der Synagogengemeinde Saar, der Heinrich Böll Stiftung Saar und dem Institut für Romanistik der Universität des Saarlandes.

Eintritt: 5 EUR / Studierende: Eintritt frei
Den Kartenvorverkauf finden Sie hier.